Kurzrezensionen: "Diabolic - Vom Zorn geküsst" & "Love Letters to the Dead"

Diabolic - Vom Zorn geküsst:

Das Buch ist aus der Sicht von Nemesis geschrieben, einem menschenähnlichen aber gefühlslosen Wesen. Sie ist bis auf wenige Ausnahmen nicht fähig Emotionen zu spüren, weshalb der Schreibstil sehr knapp und nüchtern ausfällt. Besonders am Anfang wirkte das Geschriebene daher eher wie eine Rohfassung, die alles Wichtige grob zusammenfasst, aber absolut keine Tiefe zum Leser transportiert. Das war für mich wirklich gewöhnungsbedürftig und ich habe viel Zeit gebraucht, um mit dem Weltenbau und den Charakteren warm zu werden, aber irgendwann konnte es mich dann doch fesseln.

Es handelt sich um Science-Fiction und die zugehörigen Aspekte werden extrem gut ausgearbeitet, was man nach dem Lesen des Klappentextes eigentlich gar nicht erwartet. Gerade weil die beschriebenen Orte, Maschinen und Grandiloquay manchmal mein Vorstellungsvermögen überfordert haben, würde ich das Buch auf jeden Fall Fans von "Red Rising" oder "Rat der Neun" empfehlen.

Außerdem muss man der Geschichte auf jeden Fall zu gute halten, dass sie extrem unvorhersehbar ist: Auf Seite 230 (von knapp 500) gibt es die erste schokierende Wendung und das Buch dreht sich in eine komplett andere Richtung. Auch wenn manche Entwicklungen konstruiert erscheinen und ich ab und zu das Gefühl hatte, es "geht zu schnell", können die gesponnen Intrigen durchaus mit denen von Sarah J. Maas mithalten. Da es sich um den Debütroman von S. J. Kincaid handelt, bin ich davon überzeugt, dass sie in Zukunft noch geschickter mit Worten wird umgehen können, und bin gespannt auf den zweiten Band der "Diabolic"-Reihe.
Love Letters to the DeadLove Letters to the Dead:

Schon vor einigen Jahren habe ich versucht diesen Jugendroman zu lesen, musste jedoch nach einigen Kapiteln verwirrt aufgeben. Ich vermute, dass ich damals einfach noch zu jung war, um die Botschaft des Buches zu verstehen, denn diesmal hatte ich erheblich weniger Probleme. Die Grundstimmung ist wirklich düster und bedrückend - "Love Letters to the Dead" ist alles andere als ein passendes Sommerbuch - und man muss viel zwischen den Zeilen lesen, was wohl auch etwas Übung benötigt. Ein bisschen fühlte ich mich an "Als ich Dich suchte" von Lauren Oliver (Rezension) erinnert, denn auch hier wird beschrieben, welche fast schon irrealen Ausmaße Geschwisterliebe annehmen kann. Ava Dellaira zeigt auf dramatische Art und Weise, wie ein Todesfall eine ganze Familie zerstören kann, und auch wenn ich als Einzelkind von zwei sich noch immer liebender Eltern keinerlei persönlichen Bezug besitze, war ich ungewöhnlich oft zu tiefst getroffen.

Die Themen Erwachsenwerden und Selbstfindung spielen ebenfalls eine tragende Rolle. Was mich hierbei aber gestört hat, war das Alter der Protagonistin Laurel und ihrer Freundinnen: Wie in typischen amerikanischen Filmen, gehen die 13-jährigen jedes Wochenende auf Partys, knutschen dort mit immer neuen - natürlich älteren - Jungs und machen früh ihre ersten Alkohol- und Drogenerfahrungen. Meiner Meinung nach ist das eine zu überspitze Darstellung. Ich selbst und auch die Jugendlichen in meinem Umfeld waren jedenfalls nicht so frühreif.

Ein besonderes Erlebnis beschert das Buch dadurch, dass es komplett in Briefform geschrieben ist. Laurel schreibt ein ganzes Jahr an Kurt Cobain, Amy Winehouse, Janis Joplin uvm. und schüttet dabei ihr Herz aus. Das war durchaus abwechslungsreich, aber überforderte mich als Deutsche zugegebenermaßen das ein oder andere Mal. Oftmals reichte mein Wissen über die verstorbenen Persönlichkeiten nicht weiter als bis zum Berufsstand, wodurch ich viele Anspielungen auf deren Lebenslauf und Werke (Filme, Lieder, Gedichte) verpasst oder nicht verstanden habe.
Eure Laura

Quelle Cover: Arena & Randomhouse

Kommentare:

  1. Hey, Laura :)
    Diabolic habe ich mir vor kurzem bei Lara ausgeliehen und wird jetzt auch in nächster Zeit verschlungen. Nach deiner Kurzmeinung bin ich schon sehr gespannt ob es mir auch gefallen wird! Gut das du das mit der Tiefe und den Gefühlen ansprichst, dann kann man sich von Anfang an schonmal darauf einstellen.

    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Hey Andrea,

      Schön, dass du vorbeigeschaut hast und schön, dass du dem Buch eine Chance gibst :D Und bitte gibt nicht auf, falls du die ersten 150 Seiten nicht so toll findest - halt durch, denn es lohnt sich!

      Alles Liebe,
      Laura.

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